Was Man(n und Frau) unten drunter trägt

„Kleider machen Leute“ ist der Titel einer Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller, der längst zu einem geflügelten Wort geworden ist. Während wir unsere Jacken, Hosen, Mäntel oder Hemden für jedermann sichtbar tragen, bleibt unsere Unterwäsche jedoch die meiste Zeit „im Verborgenen“. Trotzdem legen wir selbstverständlich Wert auf unsere „Leibwäsche“, der eine mehr, der andere weniger. Vor allen Dingen für das weibliche Geschlecht spielt schöne Unterwäsche eine Rolle, die Herren der Schöpfung sind meist recht anspruchslos und tragen die Unterwäsche so lange, bis sie völlig verwaschen ist oder auseinander fällt. Dies ist sicher einer der Gründe dafür, dass Herrenunterwäsche noch immer hauptsächlich von Frauen gekauft wird, weil die dem Liebsten was Gutes tun wollen oder die „alten Lappen“ am Körper ihres Partners nicht mehr sehen können.

Unterwäsche, so wie wir sie heute kennen, entwickelte sich erst zu Ende des 19., am Anfang des 20. Jahrhunderts. Lange Zeit fertigte man Unterwäsche fast ausschließlich aus weißem Leinen, weshalb die Unterhosen und -hemden auch als Weißware bezeichnet wurden. Als Baumwolle für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde, ersetzte diese Leinen als bevorzugtes Material. Dafür, dass die Wäsche stets weiß war, gibt es mehrere Gründe: Zum einen dienten weiße Stoffe aufgrund ihrer teureren Herstellung als Statussymbol, zum anderen hätte gefärbte Wäsche die chemischen und mechanischen Reinigungsverfahren kaum unbeschadet überstanden. So gab es lange Zeit keine gegen Chlorbleichung beständigen Farben.


Heutzutage besteht dieses Problem nicht mehr und es gibt Unterwäsche in vielen Formen und Farben; neue Materialien erlauben zudem eine hygienische Handwäsche bei edlen Dessous. Neben der Alltagswäsche, die vor allem bequem und praktisch sein soll, ist diese „Reizwäsche“ oder Lingerie bei Frauen besonders beliebt. Umfragen haben ergeben, dass die Damen bereit sind, für einen schönen BH tief in die Tasche zu greifen und 50 bis 100 Euro für das gute Stück auszugeben. Männer sind da meist sparsamer (um nicht geizig zu sagen) und weniger phantasievoll. Wenn sie den Kauf nicht gleich ihrer Partnerin überlassen, dann greifen sie in den meisten Fällen beim Textildiscounter zu Mehrfach- und Großpackungen. Dabei gibt es doch auch für das starke Geschlecht mittlerweile attraktive Unterwäsche abseits vom Feinripp-Schlüpfer.

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